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Startseite Geschichte Schöneweide Streiflichter aus der Ortsgeschichte von Oberschöneweide (Teil 1)
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Streiflichter aus der Ortsgeschichte von Oberschöneweide (Teil 1) PDF Drucken E-Mail
In dieser Folge soll uns ein Beispiel zeigen, wie schwer das Leben der ersten Ansiedler im 18. Jahrhundert auf unserem Oberschöneweider Gebiet war. Der Cannefaß Fabrikant (Kanevas=Gittergewebe) Gottfried Buschmann hatte als "Ausländer" - er kam aus Bautzen in Sachsen - um 1740 mit vieler Mühe und nicht ohne Gefahr sein Eigentum und seine Webstühle nach Berlin gebracht.
Anfang 1745 wandte er sich "mit einer Eingabe und einer Probe seines Gewerbe-fleißes an den König und bat um einen wüsten Heideplatz bei Quappenkrug, Nähe Cöpenick", da er ohne Bleiche sein Unternehmen nicht mehr fortsetzen könne.
(Die Bleichen hatten die Aufgabe, farbige Bestandteile in den Geweben auf chemischem Wege und mit Wasser und Sonnenschein zu zerstören.)
Er erhielt vom Cöpenicker Oberamtmann zuerst einen 2 Morgen großen Platz, dicht an der Spree (ehemals KWO-Sportplatz), auf dem bisher der Amtsschäfer seine Herde hütete. Außerdem wurden ihm aus der Forst unentgeltlich das nötige Bauholz zu seinem Bleichhaus bewilligt (40 Fuß lang, 28 Fuß tief, 8 1/2 Fuß hoch, mit 2 Stuben, 2 Kammern, einem Flur, und einer Arbeiskammer mit drei eingemauerten Kesseln.)
Im Sommer 1745 war das Haus fertig. Nun konnte Buschmann in seiner Wohnung Mohrenstraße / Berlin mit 2 Gesellen drei Webstühle betreiben und "gerade den Schön Weidischen Theer-Offen gegenüber" die gewebten Stücke bleichen. Am 10. Mai 1747 wurde ihm das Land, inzwischen 7 Morgen groß, erblich verliehen. Ein angestellter Bleichmeister verstand es, mit seiner Ehefrau, später mit 5 weiteren Personen (wohl immer aus Cöpenick zur Arbeit kommend), bald einen recht umfangreichen Betrieb zu entwickeln. Viele Bauern aus umliegenden Dörfern fanden sich im Laufe der Zeit mit ihrer selbstgewebten Leinwand als regelmäßige Kunden ein. Es schien alles gut zu laufen, zumal auch Buschmanns Fleiß bei allen Revisionen immer ein anerkennendes Zeugins erhielt.
Doch dann ging es Schlag auf Schlag: einsetzende Konkurrenz, mehrfache Neuanschaffungen für Weberei und Bleiche, Abzahlen von 4oo Talern Vorschuß aus der Manufakturkasse und fehlende Anerkennung der Garnweber-Innung, die wieder mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden war. Das alles veranlaßte den tüchtigen Handwerker, seine Weberei in der Stadt schweren Herzens aufzu-geben und mit seiner Familie aufs Land, auf die Bleiche zu ziehen.
Als 1760 die Russen Berlin einnahmen, durchzogen sie auch die Wuhlheide und plünderten seine Bleiche. An den Folgen der Aufregungen starb Gottfried Buschmann.
Sein ältester Sohn übernahm das Anwesen und vermehrte den Umfang durch Zurodung um weitere Morgen.
Leider gab es aber immer wieder Streit mit einem benachbarten Bleicher Tobias und mit der Domänenkammer.
Als Buschmann jun. 1780 infolge eines Unfalles plötzlich verstarb, kam die mühsam aufgebaute Bleiche zur Versteigerung. Seit 1786 befand sie sich und die des Tobias´ in Besitz von Johann Georg Buntzel.

W. Krause
Quelle: KietzNachrichten Schöneweide